Argentinien

Überraschung!

Tag drei unserer Andenüberquerung

Wir haben die Nacht des Nationalfeiertags zwar unbeschadet überstanden, aber gut geschlafen haben wir nicht. Wie auch, wenn sich die Saufnasen des Dorfes nachts genau vor unserem Zelt ans Leder wollen. Doch am Morgen erwartet uns bereits die nächste Überraschung.

Als ich verschlafen das Zelt öffne, ist draußen auf einmal alles weiß. Die Lehmhäuser sind von einer feinen Schicht Schnee überzogen. Auch auf der Straße liegt der Schnee. Es sind einige Zentimeter gefallen. Zum Glück haben wir unser Zelt in dem verlassenen Haus aufgeschlagen, sonst wären wir eingeschneit worden.

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Wir wissen nicht recht, was wir machen sollen. Bleibt der Schnee liegen? Werden die Straßen geräumt? Oder schmilzt das ganze im Laufe des Tages? Es ist niemand zu sehen, der uns Auskunft geben könnte. Die Dorfbewohner schlafen wohl ihren Rausch aus. Wir entscheiden uns dafür, weiter zu fahren. Denn eine weitere Nacht wollen wir hier nicht verbringen.

Als wir unser Zelt abbauen, kommen drei Männer vorbei. Sie tragen dicke Winterjacken, Handschuhe und Mützen. Mittlerweile ist es auch echt kalt geworden. Einer von der Männer hat ein Klemmbrett dabei. Er stellt sich vor. „Guten Morgen. Wir sind vom Gesundheitsministerium.“ Das ist ja schon die zweite Überraschung heute, denke ich mir. Der Mann mit Klemmbrett sieht sich um. Sein Blick wandert vom löchrigen Dach zu den Fenstern ohne Scheiben. „Haben Sie heute Nacht hier geschlafen?“, fragt er uns mit sorgenvoller Miene.

Wir bestätigen das. Doch gleichzeitig versichern wir ihm, dass wir dicke Schlafsäcke haben und uns in der Nacht nicht kalt war. Überzeugt ist der Mann vom Ministerium noch nicht. Wo wir hinwollen, ist seine nächste Frage. „Bergab. Richtung Jujuy und Salta“, sagen wir. „Das ist gut. Dort ist es wärmer.“ Bevor er uns weiterfahren lässt, rät er uns noch, viel heißen Tee zu trinken. Ich bin beeindruckt. Hier, ganz am Rande der Republik, schaut der argentinische Staat nach seinen Bürgern.

Wir haben unser Gepäck auf die Räder geschnallt und rollen los. Ganz langsam und vorsichtig, schließlich ist Schnee auf der Südhalbkugel etwas neues für uns. An der Tankstelle, gleich neben der Grenze, stehen einige Autos. Wir erfahren, dass die Behörden den Pass, über den wir gestern herkommen sind, gesperrt haben. Da oben muss deutlich mehr Schnee gefallen sein. Wir sind heilfroh, dass wir gestern, also noch vor dem Wintereinbruch, angekommen sind.

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Als wir dann auf die Hauptstraße biegen, kommt sogar die Sonne heraus. Ihre Strahlen bringen den Schnee schnell zum Schmelzen. Innerhalb von einer halben Stunde ist nicht mehr viel übrig. Uns ist das ganz recht, denn so kommen wir leichter voran. Wir wollen heute bis zum Salar de Olaroz fahren. Dort, am Anfang des Salzsees, gibt es ein Informationszentrum. Und dort soll man auch übernachten können.

Über 80 Kilometer haben wir vor uns. Der erste Teil ist flach, doch der Wind macht uns zu schaffen. Wir treten und treten, doch kommen nicht richtig voran. Nach der Mittagspause legt sich der Wind. Und es geht sogar bergab. Mit hohem Tempo jagen wir durch die atemberaubende Landschaft. Und schaffen es noch vor Sonnenuntergang zum Informationszentrum. Dort werden wir sehr freundlich begrüßt und dürfen sogar unser Zelt innerhalb der Lehmmauern aufschlagen. In dieser Nacht werden wir mit Sicherheit gut schlafen.

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